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DORIS MAY LESSING: Die große alte Dame der Englischen Literatur  

11. September – 16 Uhr 

Gabriele Streichhahn und Nicole Haase lesen ausgewählte Texte. Prof. Dr. Stefan Welz vermittelt einen Einblick in das Leben und Werk der Autorin.

Als die englische Autorin Doris Lessing (*1919) mit 87 Jahren den Literaturnobelpreis zugesprochen bekam, konnte sie den fragwürdigen Ruhm beanspruchen, die bisher älteste Kandidatin zu sein, der diese höchste literarische Ehrung angetragen wurde. Dabei waren sich ihre Leser und die Literaturkritik ausnahmsweise einmal einig darin, dass sie diesen Preis schon sehr viel eher verdient hätte. Dafür sprachen die Jahrzehnte ihrer außergewöhnlichen Schriftstellerkarriere. 1919 in Persien, dem heutigen Iran, als Kind britischer Eltern geboren und in der ehemaligen afrikanischen Kolonie Rhodesien aufgewachsen, schreibt sich Lessings Biographie von der Spätphase des Britischen Empire über die Jahre des Ost-West-Konflikts bis in die globalisierte Gegenwart fort: Kommunistische Sympathisantin, Mystikerin, Feministin, Science-Fiction-Autorin. Doch die Grande Dame der englischen Literatur entging mit Weisheit und Alterswitz Pauschalisierungen jeglicher Art. Wer weiß, was aus ihr noch geworden wäre, wenn sie ihrem ersten Ehemann, dem deutschen Kommunisten Gottfried Lessing, seinerzeit nach (Ost)Berlin gefolgt wäre. Doch so blieb sie – unter anderem – die entfernte „Tante Doris“ des späteren Politstars Gregor Gysi.