REPERTOIRE


FAUST
von J. W. v. Goethe

Regie: Stefan Kleinert
Mit: Wobetzky, Qenaj, Volkmer, Hartmann, Rank, Ahrendt, Walther, Hesse, Hofmann, Santibanez, Pengel, Stoll, Meric, Reza, Wegner

Termine: 22.01.12 um 16.00 Uhr / 23.01.12 um 19.00 Uhr / 27.02.12 um 19.00 Uhr


Verführung; Lust; Manipulation; Gewalt; Irrweg; Reflexion

„Habe  nun,  ach...“. So fängt der große Faust-Monolog in Goethes Drama an. Fast beiläufig. Dahinter aber steckt dieses unaussprechliche, dieses monströse Ich. Das Maßlose, das Egozentrische, die Verzweiflung. Bevor Fausts noch so junges Leben beginnt, ist er schon an einem Endpunkt angekommen. So wie die Gesellschaft. Selbstmord ist aber auch keine Lösung!? Weiter leben. Doch wie? Einen Pakt mit dem Teufel schließen? Satan? Sekte? Grausames Ritual. Ohnmacht. Im Himmel ist mal wieder der Teufel los. Dem Teufel haftet eine gewisse Schäbigkeit an. Mephistopheles ist die Kraft, die stets das Böse will. Und stets das Gute schafft? Der Teufel würde gern etwas Gutes tun, aber seine Aufgabe ist, die Welt in Bewegung zu halten. Ohne das Böse würde sich gar nichts ereignen. Wie kommen wir nur auf den Gedanken, uns  in dieser Welt über das Böse zu beklagen?

Nicht Trieb, Gier, Reichtum, Lebensgenuss strebt Faust an, sondern Drang nach Erkenntnis.  Und weil dieser Drang auf keinem anderen Wege zur Erfüllung führt, verschreibt er sich dem, der  ihm verspricht, seine Fragen zu beantworten. Was hat ein Schüler mit Gretchen zu schaffen? „Erhabner Geist, du gabst mir, gabst mir alles, warum ich bat. Genug damit. Ich sterbe. Alles ist zerstoben. Lass die große Welt sausen. Wir wollen hier im Stillen hausen.“ Wie ginge die Geschichte eigentlich weiter, wenn sich der Teufel nicht eingemischt und Gott  die Katastrophe verhindert hätte? „Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug, als wie zuvor“.



Vergeude ich mein Leben? Weiß ich alles über mich? Müsste Gott nicht eingreifen? Was unterscheidet Götter von Menschen? Warum gibt es schlechte Menschen? Kann man alles beseitigen, was mit Gott in Verbindung gebracht wird? Verlieren wir die Kontrolle? Wird die vollkommene Entschlüsselung des menschlichen Genoms nicht doch die Welt verändern? Wer soll sich nicht in euch vergaffen? Wird es nicht alle Tage schlimmer? Zu wieviel Prozent bin ich ein Tier? Wer hilft mir weiter fort? Bin ich denn abermals betrogen? Wohin soll es nun gehn? Verstehst du, was für neue Lebenskraft mir dieser Wandel schafft? Was zieht mir das Herz so? Werde ich den Jammer überstehen? Ist das nicht Maskeraden-Spott? Soll ich zum Welken gebrochen sein?

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12.12.2011 wurde "Faust" für Gehörlose gespielt und von einer Gebärdensprachlerin begleitet.

Hier die Reaktionen der Schüler aus der Ernst-Adolf-Eschke-Schule in Berlin:

"Die jungen Schauspieler gefielen mir gut, die zwei Mephistopheles gefielen mir sehr gut. Aus dem Original-Faust habe ich die Textteile erkannt, die ich gelesen hatte. Mir gefiel es, dass die Jugendlichen gut schaupielern konnten. Ihre Mimik und die Körpersprache waren ausgezeichnet. Das gefiel mir nicht: zwei Männer umarmten sich und machten sich an.

"Was die Dolmetscherin gebärdet hat, davon verstand ich weniger als die Hälfte. Ihre Art und ihr Stil war für mich schwer zu verstehen, weil sie so schnell gebärdete und ihre Mimik passte überhaupt nicht. Ich habe meist auf die Mimik der Schauspieler geguckt, damit ich besser verstehen kann. Sie haben wirklich gut gespielt."

"Den Raum fand ich klein, aber ich mag die Nähe zur Bühne. Beim ersten Teil gefiel mir nicht, dass die jungen Schaupieler sich sehr sexuell zeigten. Den zweiten Teil fand ich besser, weil ich es gut verstehen konnte. Ich muss die Dolmetscherin loben, denn sie dolmetschte allein und gebärdete deutlich."

"Der Zuschauerraum wirkte klein auf mich, aber es ist gut, weil ich alle Mimik genau sehen konnte. Die jungen Schaupieler wirkten überzeugend, z.B. die zwei Teufel spielten sehr echt. Ich erwartete es so, dass im Theater die Geschichte von Faust gezeigt wird. Aber der Regisseur hat es stark verändert, dass Gretchen gar nicht mitspielte. Das Missbrauchs-Thema hat mich überrascht."

Die Kostüme gefielen mir sehr gut, weil sie von moderner Zeit und alter Zeit gemischt waren. Die Schauspieler und Schauspielerinnen haben echt ausdrucksstarke Mimiken, das gefiel mir.