ABGESPIELTE VORSTELLUNGEN


DIE VERWIRRUNGEN DES ZÖGLINGS TÖRLEß
von Robert Musil

Bühnenfassung: Thomas Birkmeir
Regie: Stefan Kleinert
Mit: Ilker Meric, Fitim Qenaj, Christian Hartmann, Richard Volkmer, Christina Rank
und Max Stang

Der junge Törleß tritt in ein altehrwürdiges Konvikt ein, in dem die Sprösslinge der oberen Familien des Landes auf den Militär- oder Staatsdienst vorbereitet werden. Törleß befindet sich in dieser Schule zunächst in einer komplizierten, von Depressionen geprägten Situation. Er empfindet sein Leben als sinnlos und sehnt sich nach einem anderen Dasein, von dessen Gehalt und Form er sich allerdings keine genaue Vorstellung machen kann. Auf die Einsamkeit seines Lebens im Institut reagiert der junge Mann nach einer Weile und schließt sich den Schülern Beineberg und Reiting an, die in ihrem Wesen ganz und gar gegensätzlich zu Törleß sind. Die Aufdeckung eines Diebstahls durch den Schüler Basini nutzen Beineberg und Reiting aus, um ihn unter dem Vorwand, ihn zu einem »besseren Menschen« zu erziehen, überwachen und bestrafen zu können. Sie foltern Basini und machen ihn zu ihrem Sklaven. Der feinfühlige Törleß, neugierig auf das Bösartige und Vulgäre, das die beiden verkörpern, beteiligt sich – gleichermaßen angezogen und abgestoßen von dem Geschehen – eine Zeit lang an den Peinigungen und Demütigungen.



Basini findet sich erstaunlich versiert in die neue Situation ein und spielt seine Peiniger gegeneinander aus. Schließlich verführt er den sexuell unerfahrenen Törleß und bittet um Schutz. Törleß ist in seiner Gefühlswelt völlig verloren. Er reagiert mit Scham, Verachtung und einer neuen, nicht zu deutenden Leidenschaft.
Robert Musil beschreibt mit großer Präzision in der Figur des Törleß eine Identitätssuche während der Pubertät.




Gudrun Fertig, Siegessäule
"Der Jugendclub Just am Theater im Palais setzt das Stück in einer minimalistischen Inszenierung beeindruckend um. Die Schüler und Studenten spielen mit Leidenschaft und erstaunlichem Können. Die Pubertät mit all ihren existenziellen Fragen, der militärische Drill, dem die jungen Männer ausgesetzt sind: all das kommt sehr authentisch rüber. Ausbrüche an Grausamkeit, Gewalt und aufwallender Einsamkeit eingeschlossen. Musil verarbeitete in dem Stück eigene Erfahrungen in einer Militärschule. Wie so oft in seinem Werk ist kein Happy End absehbar, es bleibt der immerwährende Irrsinn dieser Welt und die Barbarei fehlgeleiteter Gefühle.


(Vivian Yurdakul, Berliner Zeitung)
„Obgleich Musils Roman komplex ist, versucht sich das Stück nicht an wirren Interpretationen. Auch die härteste Szene - eine Vergewaltigung - ist so inszeniert, dass sie eindringlich ist, ohne die Grenzen des Geschmacks zu verletzen. Und dabei spielen die Darsteller der Jugendtheatergruppe JUST so professionell, dass hier noch mancher Schauspielabsolvent lernen könnte, wie es geht.“

DIE HERMANNSSCHLACHT
von Heinrich von Kleist

Mit: Johann Hofmann, Viktoria Jank, Marius Ahrendt, Mariella Santibanez, Judith Wegner, Marc Packmohr, Boris Lerner, Julia Toaspern, Alexander Düring, Sophie Zellmann

Das Stück „Die Hermansschlacht“ von Heinrich von Kleist erzählt von der Schlacht der Germanen gegen die Römer im Teutoburger Wald 9 Jahre nach Christi Geburt. Der Cheruskerfürst Hermann ist in einer Notlage: Er wird von dem römischen Feldherr Varus bedroht und gleichzeitig von dem Suevenfürsten Marbod bedrängt, Tribut zu zahlen. Während Varus anbietet Hermann gegen die Sueven zu helfen, mit denen er aber insgeheim einen Vertrag hat, wollen die restlichen germanischen Fürsten den Kampf gegen die Römer, der aufgrund von militärischen Unterlegenheit nicht möglich ist. Ein römischer Legat namens Ventidius macht Hermanns Frau Thusnelda den Hof und schneidet heimlich eine Locke aus ihrem Haar Nach einem Angebot seinerseits, das Hermann nicht ablehnen kann willigt er diesem ein, versucht aber Marbod gleichzeitig zu einem Zug gegen Varus zu überreden. Durch das Verhalten der einmarschierten Römer, steigt der Zorn Cherusker gegenüber diesem an. Varus wird bei einem Treffen von Hermann getäuscht. Marbod entscheidet sich unterdessen für die Seite Hermanns. Die Römer werden im Teutoburger Wald von jeglichen germanischen Verbündeten verlassen und angegriffen. Varus wird getötet und die Legionen werden besiegt. Daraufhin wird Hermann zum König gewählt.



Kleist schrieb das Drama „Die Hermannsschlacht „ nach einem Sieg der Spanier gegen die Franzosen 1807 und beeinflusst von den ersten österreichischen Befreiungskriegen. Er verknüpfte die historischen Charaktere und Konflikte mit denen, die zu seiner Zeit stattfanden. Bei seiner Hauptfigur Hermann nahm er sich den Fürsten Arminius als Vorbild.
NATHAN DER WEISE
von G. E. Lessing

Regie: Stefan Kleinert
Mit: Philipp Albrecht, Christian Hartmann, Alina Drescher, Julia Fritzsche, Maximilian Giertler, Philipp Krüger, Christine Mayer, Fitim Qenaj und Max Stang

Das Stück handelt von einem Juden, der seinen persönlichen Holocaust erlebt. Nathans sieben Söhne sterben, verbrennen in einem Pogrom. Dennoch: Dieser Nathan übt keine Vergeltung, keine Rache. Auf seinen Schmerz folgt kein Hass, sondern die Vernunft kehrt wieder. Und über die Vernunft das Vergeben. Das ist die Botschaft, die dieses helle Stück in dunklen Zeiten vermitteln kann.


Lessings Nathan hat ein reales Vorbild: den deutsch-jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn. Mit ihm verband Lessing eine innige Freundschaft - das traumatische Erlebnis, die eigene Familie ermordet zu sehen, blieb ihm zum Glück erspart.



Martin Lühr
„Die Inszenierung rückt vor allem die Sprache in den Vordergrund und sorgt für klare Strukturen des Textes. Die Darsteller nehmen das leicht verwirrende und thematisch ernste Stück mit viel Humor und Ironie und überzeugen mit ihrem Spiel. Alles in allem ist ein Theaterabend entstanden, dessen seriöses Thema die Schauspieler des Jugendclubs "JUST" locker und mitreißend gestalten.“

ROMEO UND JULIA
von William Shakespeare

Regie: Stefan Kleinert
Mit: Fitim Qenaj, Antonia Hausen, Sven Helfer, Julia Leipner, Julia Fritzsche, Alina Drescher, Viktoria Jank, Christine Mayer und Adele Keller

Romeo und Julia schildert die Geschichte zweier junger Liebender, die verfeindeten Familien angehören. Das mit dem Freitod Romeos und Julias endende Drama ist eines der bekanntesten Werke Shakespeares und eines der berühmtesten Liebesgeschichten der Weltliteratur.





Martin Lühr
„........doch dann macht einen der Abend staunen, auf eine berührende und fantastische und neue Weise.“

Die Juden und die Jüdin von Toledo
von Lessing / Grillparzer

Der Gutsverwalter Martin Krumm hat seinen Gutsherren, den Baron, mit Hilfe eines Kumpanen überfallen. Beide geben sich zur Tarnung als Juden aus. Der Überfall wurde allerdings durch das Einschreiten eines Reisenden vereitelt. Lessing thematisierte darin, ähnlich wie in "Nathan der Weise", religiöse Toleranz und Humanität. Lessing selbst schreibt über sein Werk: "Es war das Resultat einer sehr ernsthaften Betrachtung über die schimpfliche Unterdrückung, in welcher ein Volk seufzen muss, das ein Christ, sollte ich meinen, nicht ohne eine Art von Ehrerbietung betrachten kann…"



Die junge, übermütige Jüdin Rahel dringt eines Tages in die königlichen Gärten in Toledo ein und überrascht das Königspaar. Während die Königin von der Zudringlichkeit des Eindringlings angewidert ist, bleibt der König fasziniert von der Leidenschaft des fremden Mädchens. Mit der Zeit verfällt er dem Charme der Jüdin. Im Rahmen der maurischen Bedrohung Toledos fühlt sich die Königin mit Unterstützung des Hofstaates gezwungen Rahel zu beseitigen und damit den König zur Vernunft zu bringen.
Das Projekt "Die Juden / Die Jüdin von Toledo" entstand im Rahmen von TUSCH (Theater und Schule) mit der Katholischen Schule Salvator.



Tiziana Ratcheva
„Die knapp 60 minütige Aufführung überzeugte vor allem durch die Spiellust der jungen Darsteller und die Vermischung der beiden Stücke und einigen Zwischentexten.“

Woyzeck
von Georg Büchner

Mit: Antonia Hausen, Fitim Qenaj, Jonas Demuth, Jan Hellge, Friderike Dittmann, Julia Fritzsche, Viktoria Kramer

Das Drama "Woyzeck" wurde von Georg Büchner als Fragment hinterlassen und erschien erst nach seinem Tode in einer überarbeiteten Fassung im Jahre 1879. Das Stück handelt von dem Soldaten Franz Woyzeck, der zum Mörder wird, nachdem seine Vorgesetzten ihn ausnutzen und die Freundin ihn betrügt.






Neues Deutschland
„Dieser Woyzeck bebt vor Zorn! Jonas Demuth verblüfft mit seinem unverstellten Zugang zur Titelfigur.“

Der Roman bin ich, meine Geschichten bin ich.
von Franz Kafka

Mit: Johann Hofmann, Christina Rank, Rosa-Maria Feldmann, Christina Herrspiegel, Jenny Löffler, Adina Reza, Julia Leipner, Mariella Santibanez, Jasmin Rechtacek, Anthony Mrosek, Arne Grothkopp, Max Stang und Fitim Qenaj

Kafka führte ein Junggesellen-Leben, das arm war an äußeren Ereignissen. Umso reicher, abgründiger, bizarrer, neurotischer war Kafkas innere Biografie - ein Leben, das in seinen Texten aufging. „Der Roman bin ich, meine Geschichten bin ich“, schrieb Kafka in einem Brief an seine „ewige Braut“ Felice Bauer. Zu sehen und hören sind Texte wie: Ein Bericht für eine Akademie oder Der Hungerkünstler. Auch wird das Leben Kafkas biografisch beleuchtet.



Was sagen uns die Texte Kafkas in der heutigen Zeit - welche Gesellschaftsschichten spiegeln sich in seinen Geschichten wieder.



Reaktionen beim Klubszene - Festival der Berliner Jugendtheater im Theater Strahl im Juni 2009.
„Der Monolog "Ein Bericht für eine Akademie" war toll - sehr beeindruckend - großartig gespielt - die Schakale waren toll - sehr überzeugend und gut geschauspielert - alle Figuren waren beeindruckend textsicher und haben auf den Punkt genau gesprochen - Bravo!“