Im Schutz der Unbekanntheit:
Samuel Beckett in Berlin und Anderswo

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berliner LESEZEICHEN Nr. 12

Ein noch unbekannter Samuel Beckett kommt Ende des Jahres 1936 für mehr als einen Monat nach Berlin. Die Reise ist Teil eines halbjährigen Aufenthalts in Deutschland, der ihn auch nach Hamburg, Dresden und München führt. Bereits in den Jahren zuvor hatte er Deutschland bereist. Diesmal markiert sein Aufenthalt eine Zäsur, die der Abkehr von seiner Heimat Irland vorausgeht. In Berlin durchwandert Beckett die Stadt, trifft sich mit Freunden, lernt Deutsch und trinkt Salvatorbockbier. Sein besonderes Interesse gilt der modernen Malerei. Er besucht das Kaiser-Friedrich-Museum und das Kronprinzenpalais, nur um festzustellen, dass die von ihm gesuchten modernen Maler in letzterem nicht mehr zugänglich sind. So wird Beckett unmittelbarer Zeuge der sich verschärfenden Kulturzensur der Nationalsozialisten.  

Dem Deutschlandbesuch folgt ein Intermezzo in Dublin bevor sich Beckett, enttäuscht über die ihm bis dahin versagt gebliebene literarische Anerkennung, aber mehr noch wegen seiner späteren Lebensgefährtin und Frau, der Pianistin Suzanne Deschevaux-Dumesnil, in Paris niederlässt. Dort widmet er sich mit frischer Energie seinem literarischen Schaffen. Er überträgt seinen frühen Roman Murphy ins Französische und schreibt Erzählungen. Ob die in Deutschland erfahrenen Eindrücke Beckett nachhaltig beeinflusst haben, bleibt Spekulation. Doch der schöpferische Impuls, der den scheuen, zu Depressionen neigenden Iren zum literarischen Durchbruch in den 1950er Jahren und schließlich zum Nobelpreis verhalf, hat seinen Ursprung zweifellos im kulturhistorischen Dreieck von Irland, Frankreich und Deutschland.

Carl Martin Spengler und Nicole Haase lesen ausgewählte Texte. Prof. Dr. Stefan Welz vermittelt einen Einblick in das Leben und Werk des Autors.

Vorstellung

26. 01. 2020, 16.00 Uhr

berliner LESEZEICHEN Nr. 12
Im Schutz der Unbekanntheit:
Samuel Beckett in Berlin und Anderswo

mit Carl Martin Spengler, Nicole Haase
und Prof. Dr. Stefan Welz