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In den Gehirnkammern Mäuse fangen
Ein etwas anderer Wilhelm-Busch-Abend

Buch und Regie: Barbara Abend
Komposition und am Klavier: Ute Falkenau
Mit Gabriele Streichhahn, Volker Ranisch, Carl Martin Spengler
Im Jahr 2007 jährte sich zum 175. Mal der Todestag von Johann Wolfgang Goethe. Ist es ein Zufall, dass auch Wilhelm Busch in diesem Jahr seinen 175. Geburtstag feiern würde? Nur 24 Tage nach dem Tod Goethes, am 15. April 1832, kam er auf die Welt. Was auf den ersten Blick wie eine Gemeinsamkeit aussehen mag, entpuppt sich jedoch schnell als historische Zäsur.
Mit Goethe ging ein Zeitalter zu Ende. Das bedeutete auch den Abschied von den großen Idealen der deutschen Klassik, wie sie etwa im Wilhelm-Meister-Roman noch in der Idee des sich ein Leben lang bildenden Individuums formuliert sind.

Wilhelm Busch lebte in einem Jahrhundert rasanter Beschleunigung. Sein Blick auf die Welt ist nicht mehr in wohlgefällige Worten verpackt, seine Ironie ist offensichtlich. Mit scharfem Blick analysiert er als kluger Beobachter seiner Zeitgenossen das menschliche Unvermögen. Seine tiefschwarzhumorigen Bildergeschichten treiben dem Betrachter die Tränen der Schadenfreude in die Augen. Doch sie sind nur auf den ersten Blick lustig. Voller hintergründiger Moral steckend, konfrontieren sie den Leser vor allem mit seinen eigenen Unzulänglichkeiten.

Die Autorin und Regisseurin Barbara Abend hat mit „In den Gehirnkammern Mäuse fangen“ eine Theateraufführung geschaffen, in der die Facetten der Biographie und des Wirkens von Wilhelm Busch gezeigt werden. Die Widersprüche seiner Person und der Zeit, in der er lebte, stehen im Mittelpunkt dieses Theaterabends, der ihm gewidmet ist.
Cosima Lutz, Berliner Morgenpost vom 30.01.2007
„Subversives, frisches Reim-Räderwerk“
„Wie schade, dass Wilhelm Busch das Zeitalter von Fernsehen und Internet nicht mehr erlebt hat! Eine Kabarettsendung mit ihm wäre wohl heute ein Straßenfeger […]. Nach dem Wilhelm-Busch-Abend „In den Gehirnkammern Mäuse fangen“ im Theater im Palais kann es passieren, dass solch seltsame Gedanken durch den Kopf krabbeln.
Gut zwei Stunden lang wird man da durch ein wohlbekanntes und doch subversiv frisches Reim-Räderwerk gewalkt, vermeintlich bieder, mit großformatigen Bildertafeln und eingängiger Klavier-Vertonung bänkelsängerisch aufgeladen. Von wegen! Schauspieler und Pianistin schrammen voller Tücken ins Entzücken schöne Lücken.
Für einen Busch braucht’s zwar keine offizielle Jubiläen, doch nimmt Barbara Abend für ihren Text-Bilderbogen den 175. Todestag Buschs zum Anlass, die vermeintliche Kluft zwischen Goethe (gestorben 1832) und Busch (geboren 24 Tage später) mit kleinen Goethe-Zwischenrufen als „Wachablösung“ umzudeuten.
Ute Falkenau verstärkt mit ihren anmutig dargebotenen, dabei rotzfrechen Vertonungen das feinsinnig Gassenhauerische seiner Reime, legt den scheinbar naiven Versen ein ganz vorzüglich passendes Deckmäntelchen aus Zitaten der „Forelle“ und anderer hohen Kunst um.
Gabriele Streichhahn brilliert mit hinterhältigem Witz, Volker Ranisch giftig-blitzend und Carl Martin Spengler mit der ganzen Bandbreite des Humoristen Wilhelm Busch: Besonders sein „verhinderter Dichter“ Balduin Bählamm entlarvt die Tragikomik des selbstzufriedenen, unterschwellig bösartigen Idyllikers.“



Lydia Nehring, Märkische Allgemeinen Zeitung 03.02.2007
„In den Gehirnkammern Mäuse fangen“
Ein Wilhelm-Busch-Abend im Berliner Theater im Palais „Wer Mäuse fangen möchte, sollte sein Glück in Scheunen und Kellern versuchen. Es ist allerdings auch möglich, in menschlichen Gehirnen auf die Jagd zu gehen. […]
Die neueste Produktion des Hauses widmet sich dem Dichter und Zeichner Wilhelm Busch, der sich fern dieser bildhaften Umschreibung eines Denkprozesses bediente, welcher durch Kants „Kritik der reinen Vernunft“ in seiner Schulzeit erste Nahrung erhielt. […] ‚
Auch wir sind auf die Jagd gegangen’, erzählt Autorin und Regisseurin Barbara Abend dem versammelten Publikum. ‚Unsere erste Maus, die wir erlegen konnten, war die Feststellung, dass Busch nur 24 Tage nach dem Tod Goethes auf die Welt gekommen ist.’ Eine Feststellung, die zum Ausgangspunkt einer lebendigen, humorvollen Aufführung wurde, die einem berühmten und zugleich einsamen Mann nachspürt. […]
Mit Esprit erzählen, spielen und singen die Akteure von Busch und seinen Bildergeschichten. Schauen sie eben noch traurig drein, weil Goethe gestorben ist, verziehen sie schon im nächsten Moment verständnislos die Gesichter. […] Abwechselnd werfen sich der elegante Carl Martin Spengler mit der kultivierten Aussprache, der jungenhafte, ironisch distanzierte Volker Ranisch und die temperamentvolle Gabriele Streichhahn mit der lebhaften Mimik die Gesprächsbälle zu.
[…] Musikalisch untermalt und begleitet werden die Darsteller von den Kompositionen der Pianistin Ute Falkenau, welche die Geschichten bald heiter-verschmitzt, bald beschwingt oder melancholisch kommentieren – und auf einfühlsame und konzentrierte Weise einen Theaterabend abrunden, der sein Publikum nicht ohne Jagdtrophäen entlässt.“