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Kritiken Christoph Funke, Der Tagesspiegel Im Theater im Palais inszeniert Herbert Olschok jetzt die Komödie, und schon das Bühnenbild von Alexander Martynow stimmt auf ein Mordvergnügen ein. Die Winkel der Hochadligen Wohnstube sind expressionistisch verfremdet, offenbar mit in die Wände ge-brochenen Fenstern Verschrobenheit. Mehr als Tisch, Stühle und ein Telefon braucht es nicht, die Darsteller glänzen in prachtvollen Kostümen - und werden von einer rhythmisch raffinierten Musik geleitet. Peter Rauch gibt eine stämmigen Lord Savil, der sich mit hintergründiger Begriffsstutzigkeit intellektueller Brillanz verweigert. Olschok will das zeremoniös Überlastete der Figuren zeigen, ihre behauptete Vornehmheit. Das macht Spaß, weil das Dasein einer in ihre Nutzlosigkeit verkrallten Schicht sich offenbart. Verwandlungen werden elegant serviert, mit deutlichem Vergnügen an sanfter bis deftiger Übertreibung. |
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Es ist die Leichtigkeit eines beschwingen Frühlingsnachmittages, die durch das kleine und liebevolle Theater im Palais weht. Die Vorstellung am Sonntagnachmittag macht diese Stimmung besonders möglich. Herausragend nicht nur Olschoks Regieleistung. Unter der können sich die vier Schauspieler geradezu freispielen. Alle hervorragend, die Figuren lebend. Das Publikum war mehrmals zu heftigem Lachen hingerissen. Peter Rauch als Lord Arthur ist dessen Inkarnation. Da stimmt jede Nuance, jeder Blick, gar Augenaufschlag. Carl Martin Spengler schlüpft gleich in vier Rollen. Und er verkörpert jede einzelne derart, dass sich das Publikum jeweils für einen Moment fragt: War er das eben nicht auch? |
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Kritiken Angelika Cromme, Theaterkritiken.de Herbert Olschok, ein erfahrener und vielgefragter Regisseur weiß, wie man Wilde gerecht wird und, wenn er seine Darsteller auch bisweilen - nach gutdeutscher Art - den Witz der Dialoge etwas überstrapazieren lässt, so gelingt ihm hier ein Bravourstückchen, das nach "Der ideale Gatte" in Potsdam wieder einen Abend voller Bonmots und sprühender Spottfunken beschert. Das Stück beginnt mit einem Schattenspiel hinter dem weißen Vorhang; das ist bereits ein hübscher Einfall des Regisseurs, der damit dem Spiel, in dem es immerhin um handfeste Verbrechen geht, von vornherein jene Leichtigkeit zugesteht. Natürlich weiß Gabriele Streichhahn als vielseitige Komödiantin alle Register der blasierten Lady Clarissa Windermere (ob das die ist mit dem Fächer?) zu servieren, lässt die kühle Arroganz der upperclass aufblitzen und zugleich die treffsichere Boshaftigkeit Wilde'scher Aphorismen als Karikatur sichtbar werden. In einer weiteren Rolle wechselt sie zur windigen Miss Pitibone. Die Zwie-lichtigkeit dieser Dame ist bei Frau Streichhahn beinahe noch aparter als die Blasiertheit der coolen Lady. Auch für Carl Martin Spengler, der mit der Distinguiertheit des Butlers genauestens registriert, was um ihn herum vorgeht, jedoch mit beredter Mimik zu schweigen versteht, gibt es mehrere Rollen: als Detektiv-Imitation mit Melone, Trenchcoat und Zigarren-stummel ausgerüstet sowie als spät auftauchender dubioser Chiromant, der den ganzen Wirbel um ein nun geeignetes Mordopfer mit seiner Handleserei einst verursachte. Dass Peter Rauch als Lord Arthur Savil zuweilen der Kragen zu eng wird und das ganze unangenehme Mordvorhaben ans reine Herz geht, kann man sehr gut nachvollziehen - und wie ihm Ursula Gottert als schöne treue Lady Sybil in ihrer Hilflosigkeit mit weit aufgerissenen, kindlich ungläubigen Augen buchstäblich wie ein gut dressiertes Hündchen folgt, ist reizend anzuschauen und verdient unser ganzes Mitgefühl. Ganz besonders aber besticht in dieser kleinen Kammerkomödie der geschickt mit asymmetrischen Wänden versetzte Bühnen-raum und die sogar passend auf die Farben der Dekoration abgestimmte hochelegante Garderobe der feinen Gesellschaft. Adel verpflichtet eben - Arroganz, Eleganz, Containance und der feste Glaube an Horoskope, Wahrsagerei und Sternendeutung hat Wilde unter anderem zu der prickelnden Ermahnung inspiriert: "Man soll nicht abergläubisch sein, das bringt Unglück." Ute Falkenau weiß diese und andere tiefe Einsichten mit entsprechend dumpfen Tönen dramatisch zu untermalen. |
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