10 | 21

Am 23.10. ist Bahnwärter Thiel zurück auf unserer Bühne!

Nach 9 Jahren Abwesenheit kehrt Bahnwärter Thiel auf Publikumswunsch auf die Bühne des THEATER IM PALAIS zurück!
Der bekannteste Prosatext des Literaturnobelpreisträgers Gerhart Hauptmann entstand 1887, in der Zeit, als der Autor vier Jahre im Berliner Vorort Erkner verbrachte.
Die Erzählung um die Hauptfigur Thiel beruht auf einem wahren Unglücksfall an der Bahnstrecke zwischen Erkner und Fürstenwalde und verarbeitet Erfahrungen des Autors während seiner Jahre am Rande von Berlin.
Gabriele Streichhahn lässt das Publikum hautnah an Thiels Zerrissenheit zwischen Wirklichkeit und Visionen, an der Sehnsucht nach seiner verstorbenen Frau und an seinen Schuldgefühlen seinem Erstgeborenen gegenüber teilhaben. Es entsteht eine Atmosphäre von wachsender Bedrohung, in der Wahn und Passivität unweigerlich zur Katastrophe führen.
Ute Falkenau sorgt mit Werken von Mussorgski für eine musikalische Kulisse, die die Ereignisse auch akustisch erlebbar macht.
Ein Abend aus der Reihe der Berliner Geschichten, der berührt und lange in Erinnerung bleibt!

10 | 21

Zweisame Einsamkeiten

Von Andre Sokolowski am 6. Oktober 2021 in Kultura-Extra

Fitim Qenaj und Ludwig Uebe sind Mrożeks EMIGRANTEN im Theater im Palais

Völlig zu Unrecht wird das schnucklige THEATER IM PALAIS, das im Palais am Festungsgraben (daher auch „Palais“ in seinem Namen) und paar Meter rechts vom Maxim Gorki Theater liegt, durch das an sich sehr arrogante also überhebliche Berliner Feuilleton zumeist gemieden als beachtet oder gar besprochen. Nicht mal in die nennenswerten Schlagzeilen, wenn es z.B. über die Berliner Off-Theaterszene irgendetwas Neues zu berichten gäbe, findet es tatsächlich statt; und auch wir selbst – was schnöder noch als schnöder ist – waren zuletzt vor drei oder vier Jahren hier zum letzten Mal, um über eine Vorstellung, in der’s um Martin Luther ging, zu schreiben; Mein Herr Käthe hieß das Stück von Uwe Poppe, und der Anlass seiner damaligen Uraufführung waren allem Anschein nach 500 Jahre Reformation, ja und so lange ist das nun schon wieder her. (…)
Es gibt sogar ein Junges Ensemble, das sich hin und wieder im THEATER IM PALAIS bemerkbar macht – und ausgerechnet seinetwegen wollten wir dann gestern Abend neugierig vor Ort gewesen sein: Fitim Qenaj und Ludwig Uebe waren als die beiden Außenseiter in Sławomir Mrożeks 1974 in Paris uraufgeführtem Stück unter dem Titel Emigranten zu erleben (Spielleitung: Kay Ramczyk).
Der eine stellt den Gastarbeiter- und der andere den Dissidenten-Typus dar.
D.h. der eine wartet ab, bis er mal irgendwann genug Gastarbeitslohn verdient hat, um das Land, in dem er gastweise so sehr malochte, endlich wieder zu verlassen und in seiner angestammten Heimat endlich wieder als Familienmensch zu sein. Ja und der andere, ein dissidenter Intelektueller, der wahrscheinlich obendrein auch steckbrieflich gesucht sein könnte, faselt über Sklavenhalter und die Sklaven und dass sich die Sklaven von den Sklavenhaltern endgültig befreien müssten usw.
Und wir Zuschauer und Zuhörer sind nun gefragt, für welchen der zwei Typen wir uns – rein von unsern Sympathien her – „entscheiden“; denkbar war und ist natürlich auch, dass wir sie beide sozusagen für uns annehmen und ein Gefühl dafür entwickelten, dass beide Kurzviten, die sie uns nach und nach per Dialog und Monolog ausbreiten, ganz konkret etwas mit uns und unsern eigenen Biografien zu tun haben könnten; schlussendlich begreifen wir das ohne Weiteres, weil wir, sicher auch aus diversen eigenen Erfahrungen heraus, wissend erfuhren und erfahren, dass es halt „auch“ Gastarbeiter oder Dissidenten unter (oder neben) uns in nicht ganz unerheblich großer Anzahl gibt.
Aber gottlob erhängten sie sich beide nicht (noch nicht).
Sehr glaubhaft und sehr schön gespielt.
Hat uns gefallen.

09 | 21

Die Geschichte mit dem Apfel

Von Wolfgang Brauer am 27. 09. 2021 im Blättchen

Und am sechsten Tag schuf Gott den Menschen nach seinem Bilde. Einen Mann und ein Weib, und er segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch … Und als sie es dann taten, flogen sie raus aus dem Garten Eden. Eine Geschichte, bei der es einem Spötter wie Mark Twain nur so unter den Fingern jucken musste. Aber er muss sehr schnell gemerkt haben – das Fach gender studies war 1893 noch vollkommen unbekannt –, dass die Geschichte immer aus zwei Sichten erzählt werden muss. (…) Also versuchte er erst gar keine Synthese, sondern ließ beide unabhängig voneinander erzählen: „Die Tagebücher von Adam und Eva“ entstanden. (…)
Im Berliner Theater im Palais hängt derzeit ein grasegrüner Apfel von der Bühnendecke. Verlockung? Drohung? (…) Der Bühnenhorizont zeigt ein Bild der Galaxis. Das sieht nach Urknall aus, dem Anfang von allem? Wir wissen es nicht. Auch der Mensch bei Mark Twain weiß es nicht. Plötzlich ist da „das neue Geschöpf mit langen Haaren“, und es redet und redet. Er will eigentlich nur seine Ruhe haben, das Wesen ist aber entsetzlich neugierig. Es nennt ihn „das Reptil“, weil es allen Dingen einen Namen geben muss. Zudem hat es merkwürdige Ideen und will unbedingt einen Brontosaurus als Stubentier. Der Mensch fürchtet natürlich um seine Behausung und wirft das Wesen raus. Das heult, wie immer, wenn es etwas nicht kriegt, und darf natürlich wieder rein. Ohne Brontosaurus, dafür hat es am Dienstag die Begegnung mit der Schlange. Der „Rest“ ist bekannt …
Der Twainsche Text wird im Palais am Festungsgraben als Lesetheater gegeben. Gundula Köster und Carl Martin Spengler setzen ganz auf die Kraft des Sprechens. Die Intimität des kleinen Saals unterstützt das. Gelegentlich mal ein halb herabgezogener Mundwinkel, das Aufblitzen von Evas Augen, ein ganz kurz trotziges Gesicht Adams – das schnell wieder in tumbe Hilflosigkeit abgleitet. Mehr ist eigentlich nicht. Die gestischen Mittel sind sparsam eingesetzt. Aber das ist spannend und unterhaltsam zu erleben. Dieser Ansatz geht voll auf. Unterstützt werden die beiden Protagonisten von kurzen Interventionen Ute Falkenaus am Piano. Auch dies sehr unaufdringlich.
Die Inszenierung ist ein großes Loblied auf die Liebe. Und so hatte Mark Twain das auch gemeint. Wer traut sich das denn heute noch … Hingehen!

09 | 21

Comeback des Jungen Ensembles

Das Junge Ensemble des Theater im Palais feiert mit EMIGRANTEN sein Comeback! Unter der Leitung von Kay Ramczyk spielen Ludwig Uebe und Fitim Qenaj. Für die Dramaturgie verantwortlich zeichnet Franziska vom Heede. In der  letzten Spielzeit musste die Premiere aufgrund Corona ausfallen und wird jetzt mit umso mehr Leidenschaft nachgeholt!

EMIGRANTEN von Sławomir Mrożek
Premiere am 28. September um 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen: 29.09., 05.10., 16.11.

09 | 21

Fast wie eine Premiere!

Unsere Produktion Stimmt’s oder hab ick Recht? – Ein Streifzug durch Groß-Berlin mit Walter Benjamin konnte nach der Premiere am 23. November 2020 coronabedingt nur dreimal gezeigt werden.
Zehn Monate später kehrt der Abend mit dem sensiblen Chronisten aus Berlin auf die Bühne zurück! Die Texte von Walter Benjamin stammen aus einer Sammlung von Erinnerungen, die erst posthum erschien.
In Berliner Kindheit um Neunzehnhundert erlebt man den scharfzüngigen, liebevollen Intellektuellen, der beobachtet und beschreibt, wie aus vielen kleinen Ortschaften Groß-Berlin zusammenwuchs.
Gabriele Streichhahn und Gundula Köster interpretieren mit viel Feingefühl und Humor Benjamins wunderbare Texte, die Ilse Nickel ausgewählt hat. Am Klavier sorgt Ute Falkenau mit Werken von Weill und Hindemith für den passenden musikalischen Rahmen. Begleitend werden witzig-bewegende Filmdokumente aus dem Berliner Alltag aus den Anfängen der Kinematographie eingespielt.

09 | 21

Im Interview: Gabriele Streichhahn stellt die neue Premiere vor

Gleich zu Beginn der neuen Spielzeit lädt das Theater im Palais zu einer besonders unterhaltsamen Produktion ein.
Am 17.09 um 19:30 wird in Mark Twain: Die Tagebücher von Adam und Eva das Geheimnis um das allererste Liebespaar der Welt gelüftet. Wie haben sich Adam und Eva im Paradies gegenseitig wahrgenommen und wie gut funktionierte die anfängliche Kommunikation zwischen ihnen? War es Liebe auf den ersten Blick oder bildeten die beiden mangels Alternativen vielmehr eine Art Notgemeinschaft? Adam wurde schließlich nicht gefragt, ob er nicht lieber allein geblieben wäre, und Eva war auf die Begegnung mit einem äußerst mürrischen Wesen keineswegs vorbereitet …

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